Yoruba

Unter der konkurrenzlosen Völkervielfalt in Afrika gibt es eine Vielzahl von kleineren Völkern, die hierzulande kaum jemand kennt. Eines dieser Völker sind die Yoruba, die fast ausschließlich in Nigeria und somit Zentralwestafrika leben. Dennoch sind sie auch dort keine Mehrheit, denn nur knapp 21% aller Nigerianer zählen zu den Yoruba, die größtenteils im Südwesten des Landes anzutreffen sind. Immerhin haben die Yoruba ihre eigene, gleichnamige Sprache, die von knapp 30 Millionen Menschen gesprochen wird und auch grenzüberschreitend in einigen Nachbarländern anzutreffen ist.

Aufgeteilt sind die Yoruba selbst in viele unterschiedliche Subgruppen, die sich in religiösen und politischen Ansichten unterscheiden und auch an sprachlichen Dialekten zu erkennen sind. Bekannt sind die Yoruba, das seit jeher ein Volk der Bauern und Farmer ist, außerdem für ihre im internationalen Vergleich sehr früh begonnene Gründung von Städten, die bereits im Mittelalter sechsstellige Einwohnerzahlen vorweisen konnte, wobei das Siedlungsgebiet der Yoruba nie ein großer, einheitlicher Staat war, sondern von jeher in kleinere Stadtstaaten mit Königsvorstand eingeteilt worden war.

Die Geschichte des Volkes verlief dabei keineswegs reibungslos - insbesondere zwischen zwei der Hauptgruppen der Yoruba, der Oyo und der Ife, kam es gegen Ende des 16. Jahrhunderts oft zu Auseinandersetzungen, deren Auswirkungen noch Jahrhunderte später zu spüren waren. Das als „Sklavenküste" bekannte Gebiet der Westküste des schwarzen Kontinents machte auch vor Nigeria nicht halt, das sich zu einem Zentrum des Sklavenhandels entwickelte unter dem schließlich auch die Yoruba zu leiden hatte, die infolge ihrer kleinen Kriege zwischen vereinzelten Gruppen keine ausreichende Macht und Durchsetzungsvermögen mehr besaßen und die somit ebenso Opfer des Menschenhandels wurden.

Bei alledem waren und sind die Yoruba dennoch auf vielen Gebieten ein fortschrittliches Volk. Ihre Städte waren z.B. von Anfang an so geplant und gebaut, dass die dicht besiedelten Gebiete im Stadtinneren zu finden waren, während das Farmland weiter außerhalb gebaut wurde, was die Entwicklung eines komplexen Marktwirtschaftsystems begünstigte und exzellente Bedingungen für die Unterstützung der reichhaltigen Kunstgeschichte des Volkes schuf.

Vorranging kommt bei den Kunstwerken der Yoruba Holz als Material zum Einsatz, was nicht überrascht und bei vielen afrikanischen Völkern zu sehen ist. Aus diesem werden meist Abbilder und Skulpturen ihrer äußerst reichhaltigen Anzahl an Göttern - 401 an der Zahl, obwohl es inoffiziell weitaus mehr sein dürften - und Vorfahren geschaffen, die zur Ehrung auf Schreinen und an anderen heiligen Orten platziert werden. Auch werden oft Masken aus Holz geschnitzt - ein weiteres Indiz, das die afrikanische Abstammung der Yoruba untermauert.

Auch abseits des handwerklichen Geschicks gibt es unter den Yoruba feste Traditionen, zu denen z.B. auch das beherrschen mehrerer Kampfkünste gehört, zu denen als wichtigste wohl das Yoruba-Ringen gehört. Heute hat diese Art von Kampfsport eher symbolischen Charakter, früher jedoch wurde dadurch durchaus entschieden, wer unter den Männern ein einfacher Krieger blieb, und wer in der Hierarchie aufsteigen durfte.

Als letzte Besonderheit, die den Yoruba zugeschrieben wird, stellt sich die außerordentlich hohe Rate an Zwillingsgeburten dar, die von manchen Wissenschaftlern als die höchste Geburtenrate von Zwillingen überhaupt vermutet wird. Bis hinein ins 19. Jahrhundert wurde dies als Werk des Teufels angesehen und oft wurden die Kinder oder auch die Mutter getötet, bis die Yoruba ihre Sichtweise änderten und schließlich sogar zur Verehrung der seltenen Geburten überwechselten.