Surma

Das Naturvolk der Surma hat sein Siedlungsgebiet im Südwesten Äthiopiens an der Grenze zum Sudan. Der Stamm lebt vorrangig von der Viehzucht. In geringem Maße trägt auch der zunehmende Tourismus zur Existenzsicherung bei. Die Surma zählen ca. 20.000 Stammesangehörige, wobei der übergroße Teil in Äthiopien beheimatet ist.

Nur eine kleine Gruppe von Surma siedelt im Sudan. Wie so viele Naturvölker Afrikas sind auch die Surma in ihrer Existenz bedroht. Zum einen durch die eigene Regierung, die stetig versucht das vermeintlich "primitive Volk" zu zivilisieren und zum anderen durch den Zustrom von Kriegsflüchtlingen aus dem angrenzenden Sudan.

Alltag der Surma

Im Alltag der Surma spielt die Rinderzucht eine herausragende Rolle. Die Tiere gelten als das Statussymbol und werden beispielsweise als Brautpreis bei einer Heirat eingesetzt. Ein erwachsener Surma-Mann besitzt im Durchschnitt ca. 40 bis 50 Rinder, die mit einem Ohrring kenntlich gemacht werden. Der Diebstahl von Rindern ist an der Tagesordnung und wird gesellschaftlich durchaus toleriert. Der Dieb muss zwar im schlimmsten Fall mit dem Tod rechnen, kommt er jedoch mit seiner Tat ungeschoren davon, ist ihm Ruhm und Anerkennung sicher.

Die Surma haben sich eine ursprüngliche Lebensart bewahrt, einfache Hütten aus Lehm und Holz genügen ihnen als Unterkunft. In der Vergangenheit wurde bis auf eine Lendenschnur vollständig auf Kleidung verzichtet. Durch den zunehmenden Kontakt mit der westlichen Zivilisation hat das Tragen von losen Umhängen Eingang in ihren Alltag gefunden. Das alltägliche Leben der Surma findet unter freiem Himmel statt. Ihre Ernährung besteht aus Hirse- oder Maisbrei. Ergänzt wird der Speiseplan durch Milch und das Fleisch von Ziegen. Aus den Innereien eine geschlachteten Ziege kann der Wahrsager des Stammes die Zukunft vorhersagen.

Die begehrten Rinder werden nur selten geschlachtet. Sie werden in regelmäßigen Abständen zur Ader gelassen. Das frische Blut soll kräftigend wirken und wird von den Surma-Kriegern sofort getrunken. Ihre Gesellschaftsform gleicht einer Demokratie, wobei der Stammesälteste als spiritueller Anführer und Ratgeber in Alltagsfragen anerkannt wird.

Körperschmuck der Surma

Weltweite Bekanntheit erlangten die Surma durch den traditionellen Schmuck ihrer Frauen. Diese schmücken sich mit so genannten Lippentellern aus Holz oder Ton. Die Unterlippe wird mit einem Pflock durchstoßen und nach und nach mit immer größeren Einsätzen geweitet, bis große Teller in das Loch passen. Was auf westliche Touristen wie eine groteske Verstümmelung wirken mag, gilt bei den Surma als wichtiges Schönheitsideal. Je größer der Lippenteller einer Frau, umso höher wird der Brautpreis für sie ausfallen.

Ursprünglich stammt der Brauch aus der Zeit der Sklaverei. Durch die Lippenteller sollten die Frauen auf die Sklavenjäger besonders unattraktiv wirken. Die Surma-Männer schmücken ihren Körper durch das Auftragen von weißer Tonfarbe in Form von Schlangenlinien. Dieser Brauch wird vor allem vor Touristen praktiziert, um gegen Entgelt ein exotisches Fotomotiv darzustellen.

Der Stock-Kampf gehört zu den wichtigsten Ritualen der Surma. Er dient als Sport- und Feizeitbeschäftigung. Die jungen Krieger können im Kampf ihre Männlichkeit beweisen und nutzen ihren Auftritt in der Arena zum Flirt mit den Frauen des Dorfes. Alltägliche Konflikte oder Streitigkeiten mit benachbarten Völkern können ebenfalls durch einen Stockkampf bereinigt werden.