Afar

Das Volk der Afar zählt überwiegend zu den Semi-Nomadenvölkern Afrikas. Zu ihm gehören rund 1,6 Millionen Menschen, die in Teilen von Äthiopien, Eritrea und in Dschibuti leben. Ihr Land erstreckt sich von Norden nach Süden über ein Gebiet von 800 Kilometern. Die Sprache ist Afar, eine kuschitische Sprache, die zu den afroasiatischen Sprachen gehört.

Das Nomadenvolk der Afar

Das Volk der Afar lebt in vier Sultanaten, die sich wiederum in viele Scheichtümer gliedern. Neben den beiden Hauptstämmen Asaimara ("rote" Afar) und Adoimara ("weiße" Afar) gibt es zahlreiche Unterstämme, die sich in Clans unterteilen. In Äthiopien leben sie in dem Bundesstaat Afra. Da sie Nomaden sind, ist ihre Analphabetisierungsrate sehr hoch.

Die Afar betreiben überwiegend Viehzucht und Handel, an der Küste leben sie von der Fischerei. Mit ihren Kamelen und Ziegen bevölkern sie die Danakilebe am Horn von Afrika, eines der heißesten Gebiete der Erde. Die Tagestemperatur kann hier bis zu 55° C betragen. Die Landschaft besteht überwiegend aus kahlen Bergketten, trockenen Tälern und Salzsümpfen in den Ebenen. Viele Afar leben vom Handel mit Salz, das sie u. a. am Abbe-See abbauen. Der Handel ist für sie ein wichtiger Wirtschaftszweig. Mit ihren Kamelen bringen sie das Salz bis in das äthiopische Hochland und tauschen es gegen Nahrungsmittel wie Mais und Hirse.

Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Maisbrot und Kamelmilch. Während der Dürreperioden leben die Erwachsenen oft fast nur von aus Kaffeebaumblättern aufgebrühtem Tee. Da viele Brunnen häufig kein Wasser haben, müssen Frauen und Kinder viele Kilometer zurücklegen, um Wasser zu besorgen. Streitigkeiten um das Wasser sind der Regelfall. Die Afar gelten in Äthiopien generell als schnell reizbar und sehr gefährlich. Die Wasserknappheit während der Dürren führt dazu, dass ein Großteil ihres Viehbestandes verendet und ihnen damit die Grundlage zum Leben nimmt.

Während ihrer Wanderungen leben die Afar in Zelten aus Ästen und Schilfmatten, die leicht aufgebaut und auf dem Kamelrücken transportiert werden können. In der Regel leben mehrere Familien zusammen. Oft müssen sie weite Strecken bis zu den Weideplätzen zurücklegen.

Die Religion der Afar ist eine Form des Islams, die mit animistisch-traditionellen Elemenen vermischt ist. Bereits im Jahr 2002 sprachen sich die Afar auf der 1. Wüstenkonferenz gegen die weibliche Genitalverstümmelung aus. Im Juli 2007 sprachen sich der Oberste Rat für Islamische Angelegenheiten und alle Clanführer der Afar für die Aufnahme einer Strafe in das Stammesgesetz aus.