Synkretismus in Afrika

Religion ist auch heutzutage noch sehr eng mit dem Leben in Afrika verbunden. Religion ist fester Bestandteil in allen Lebensbereichen Afrikas und nimmt für die Menschen dort eine zentrale Stellung in ihrem ganzen Leben ein. Der Hauptteil der Afrikaner gehört dem Christentum oder dem Islam an.

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Der Islam ist in Nordafrika, in Westafrika und an den Küsten Ostafrikas vorherrschend, während das Christentum in Zentral- und Südafrika dominiert. Neben diesen beiden Glaubensrichtungen existieren in Afrika auch viele traditionelle Religionen in den verschiedensten Formen. Außerdem haben sich in Afrika traditionelle Religionen mit dem Christentum und dem Islam zu Mischformen verbunden, was unter dem Begriff Synkretismus beschrieben wird.

Der Begriff Synkretismus meint also die Vermischung von unterschiedlichen Religionen. In Afrika kommt es hinsichtlich Synkretismus zur Vermischung bei christlichen und traditionellen Religionen und auch beim Islam und traditionellen Religionen auf. Im Norden von Uganda beispielsweise werden in der Lord´s Resistance Army Bestandteile der römisch-katholischen Kirche - der Rosenkranz sowie die Eucharistie - mit der islamischen Art und Weise nach Mekka zu beten.

Die Lord´s Resistance Army - ins Deutsche übersetzt Widerstandsarmee des Herrn - ist 1987 gegründet worden. Es handelt sich um eine paramilitärische Gruppierung, die im Norden von Uganda gegen die Regierung und für die Errichtung eines Gottesstaates kämpft. Die Lord´s Resistance Army soll viele grausame Verbrechen und andere Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Die LRA vertritt keine zusammenhängende Ideologie, noch wird sie von der Zivilbevölkerung unterstützt. Die LRA konnte zwar durch den Sezessionskrieg im Südsudan profitieren, aber innerhalb Ugandas kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit islamitischen Gruppen oder mit dem angrenzenden Kongo.

Die synkretistischen Religionen in Afrika sind Mami, Wata, Nkabah und die Aladura-Kirchen wie beispielsweise die Cherubim and Seraphim Society. In den meisten Fällen ist jedoch nicht eindeutig geklärt, welche dieser Kirchen eher christlich oder tatsächlich synkretistisch ist. Bei der Cherubim and Seraphim Society handelt es sich um eine christliche Religionsgemeinschaft, die in Nigeria sowie Westafrika verbreitet ist und zur Aladura-Kirche gehört.

Im Jahre 1925 gründete ein siebzehn Jahre altes Mädchen aus Nigeria aufgrund einer eigenen Vision, in der ihr ein Engel erschien und ihr riet, eine eigene christliche Gemeinde zu gründen. Dieses Mädchen gründete daraufhin gemeinsam mit einem Prediger einen Gebetskreis, der 1926 Cherubim and Seraphim Society genannt wurde. Diese christliche Gemeinschaft verfolgte vor allem das Ziel, christliche Missionen und Exorzismen gegen Hexen und Dämonen auszuführen. 1926 wurde die Cherubim and Seraphim Society eine eigenständige Kirche. Im Laufe der Jahrzehnte im 20. Jahrhundert kam es immer wieder zu Spaltungen und Zusammenführungen der Kirche. Heute existieren fünf Hauptzweige der Cherubim and Seraphim Society. In der Cherubim and Seraphim Society haben Engel eine entscheidende Rolle. Sie werden als himmlische Wegweiser und Beschützer gesehen und angerufen. Insbesondere wird der Erzengel Michael verehrt.

Die gesamte Gemeinde trägt während des Gottesdienstes weiße Kleidung, um einerseits zu demonstrieren, dass Gott sie erwählt hat und andererseits soll die weiße Kleidung an spezielle vorchristliche Reinigungsrituale der Yoruba zu erinnern. Die Cherubim and Seraphim Society glaubt sehr stark an die heilende und reinigende Wirkung von Wasser. Auch das Gebet nimmt in dieser Glaubensgemeinschaft eine zentrale Rolle ein. Ihrer Meinung nach wird der Glaube erst mittels des Gebets aktiviert. Auch Propheten sind fester Bestandteil der Cherubim and Seraphim Society.